Elena Aiello – Mystikerin und Erzieherin aus Süditalien

Detailgetreue Imitation eines Gemäldes der seligen Elena Aiello, welches im Mutterhaus der Suore Minime aufbewahrt wird. Es zeigt die Ordensgründerin inmitten von armen Kindern, um welche sie sich in der Stadt Cosenza kümmerte.

Geboren am 10. April 1895 im kalabrischen Dorf Montalto Uffugo, wuchs Elena Emilia Aiello in einem vorbildlich christlichen Elternhaus auf. Schon früh verlor sie ihre Mutter. Während einer Krankheit weihte sie ihr Leben dem Herrn und legte die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe trat sie im August 1920 in das Noviziat der Töchter der Nächstenliebe vom Kostbaren Blut in Nocera (unweit von Pompei) ein.

Eine Tafel am Geburtshaus in Montalto Uffugo (Corso Garibaldi) erinnert an die illustre Bewohnerin des Hauses.

Eine zunächst unbedeutende, jedoch schlecht behandelte Krankheit führte zu körperlichen Schäden, die schließlich ihre Entlassung aus dem Kloster zur Folge hatten. Nach ihrer Rückkehr nach Hause rief sie die Fürsprache der heiligen Rita an und wurde geheilt. Im November 1921 traten mystische Phänomene auf, die sie bis zu ihrem Tod begleiten sollten. Einige davon, wie das Blutschwitzen und die Stigmata, zeigten sich besonders an den Freitagen der Fastenzeit sowie am Karfreitag. Geprägt von dieser Erfahrung der Passion Christi begann sie am 17. Januar 1928 gemeinsam mit einer ersten Gefährtin, Luigina Mazza, ein Werk im Dienst der Ärmsten, insbesondere der verlassenen Mädchen.

Sie stellte ihre Arbeit unter den Schutz des heiligen Franz von Paola, des Patrons Kalabriens, sowie der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Von diesen Gestalten inspiriert gründete sie die Kongregation der „Suore Minime della Passione di Nostro Signore Gesù Cristo“. Allmählich entwickelte sich das Institut weiter und erhielt am 2. Januar 1948 die päpstliche Anerkennung.

Die Anteilnahme am Leiden Christi und die Liebe zu den Ärmsten – gestärkt durch beständiges Gebet und eine innige Verehrung Jesu im Altarsakrament – bildeten die tragenden Säulen sowohl im Leben der Gründerin als auch in der jungen Kongregation. Diese breitete sich bald von Kalabrien über ganz Italien aus und folgte den Auswanderern auch in einige arme Regionen Lateinamerikas. Während des Heiligen Jahres 1950 begegnete die Dienerin Gottes dem Heiligen Vater Pius XII. und bat ihn um eine Bestätigung, dass dieses Werk dem Herzen der Kirche entspreche. Der Papst antwortete: „Ihr Werk wird nicht enden, weil es auf der Vorsehung gegründet ist.“

Sie liebte den Heiligen Vater und die Kirche zutiefst und wiederholte ihren Schwestern oft, ihre Pflicht sei es, „mit der Kirche zu fühlen“ (sentire cum ecclesia). Als zutiefst eucharistische Seele pflegte sie zu sagen: „Die Eucharistie ist die wesentliche Nahrung meines Lebens, der tiefe Atem meiner Seele, das Sakrament, das meinem Leben und allen Handlungen des Tages Sinn verleiht.“ Ihr Charisma fasste sie in den oft wiederholten Worten zusammen: „Es gibt keine Liebe ohne Leiden.“

Mutter Elena Aiello starb am 19. Juni 1961 in Rom, nachdem sie ein heiligmäßiges Leben im Dienst der Armen und Ausgegrenzten geführt hatte. Schon zu Lebzeiten und auch nach ihrem Tod wurde sie vom Volk „die heilige Nonne“ genannt.

Ihre Seligsprechung erfolgte im Jahr 2011. Die Urne mit ihren sterblichen Überresten befindet sich in einer Krypta im Mutterhaus der von ihr gegründeten Schwesterngemeinschaft (in der Via dei Martiri in Cosenza). Die Suore Minime freuen sich über Besucher, die sich für das Leben ihrer Gründerin interessieren.

Möglicherweise ist Elena Aiello (neben Mariam Thresia Chiramel Mankidiyan) die einzige Frau in der Kirchengeschichte, die inmitten von Kindern lebte, sich intensiv um deren Erziehung kümmerte und zugleich die Wundmale des Herrn an ihrem Körper trug. Mutter Elena lehrt uns, dass christliche Pädagogik nur dann ernsthaft und authentisch ist, wenn der Erzieher ein Leben des Gebets führt und den Alltag aus dem Glauben heraus gestaltet.